Titel: Der Seitenstreifen ist keine Fahrspur: Ein langes Horn, eine kurze Zündschnur und eine Lektion auf der I-26
Nach meinem Termin beim Netzhautchirurgen in Ladson, South Carolina, fuhr ich auf die Interstate 26 OstRichtung Mount Pleasant. Der Verkehr war genau so, wie man ihn nach einem Unfall erwarten würde – Stoßstange an Stoßstange, langsames Vorankommen, alle krochen nur so dahin und hielten sich an die ungeschriebenen Gesetze der Geduld und des Reißverschlussverfahrens.
Alle… außer einem Fahrer.
Der Fahrer des Wagens auf dem Foto hielt den Seitenstreifen kurzerhand für seine persönliche Schnellspur. Und das nicht nur kurz – er fuhr dort eine ganze Weile, weit jenseits der Stelle, wo ein vernünftiges Einfädeln möglich wäre. Dann schnitt er mir ohne zu zögern den Weg ab.
Was habe ich also getan?
Ich habe nicht nur ein Foto des Übeltäters gemacht, sondern auch ordentlich gehupt.
Nicht nur kurz angetippt.
Nicht nur gewarnt.
Zehn Sekunden.
Dreißig Sekunden.
Eine ganze Minute.
Im Schneckentempo hupte ich so lange, bis die Hupe komplett den Geist aufgab. Kein Witz. Totalausfall.
Und ja – ich bin noch einen Schritt weiter gegangen. Ich habe einen YouTube-Livestream und meine Unzufriedenheit live übertragen. Wahrscheinlich nicht mein bester Moment und definitiv kein Ratschlag für irgendjemanden. Kinder, bitte nicht nachmachen! Ich wünschte, ich könnte diesen Livestream jetzt wiederfinden.
Das Hauptproblem ist nicht das Hupen oder der Wutausbruch – es ist die Anspruchshaltung. Der Seitenstreifen ist keine Gesetzeslücke. Er ist keine Abkürzung. Und er ist ganz sicher nicht fair gegenüber den Hunderten von Fahrern, die sich korrekt verhalten und dabei Unfälle, Termine und den Stress des Alltags bewältigen müssen.
Manche Tage atmet man tief durch und lässt es gut sein.
An anderen Tagen… verstummt das Horn, bevor die Geduld am Ende ist.
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